Die Kraft der Hagebutte
Heimischer Immunbooster für die kalte Jahreszeit
„Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm,
es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um.“
Wer kennt es nicht, das kleine Männlein im roten Mäntelchen? Generationen von Kindern haben über das Rätsel von Hoffmann von Fallersleben gerätselt. Die Lösung: die Hagebutte.
Heute kennen wir sie vor allem aus Früchtetees oder als Marmelade. Dabei hat die kleine rote Frucht sehr viel mehr zu bieten. Gerade jetzt, wenn die Tage kürzer werden und die Erkältungszeit beginnt, lohnt sich ein genauerer Blick auf unsere heimischen Rosearten – allen voran die Heckenrose – und ihre wertvollen Früchte. Denn die Hagebutte ist ein echtes Kraftpaket und für mich einer der spannendsten heimischen Immunbooster. Natürlich darf sie in meiner Naturapotheke nicht fehlen.
Die Hagebutte: Vitamin-C-Bombe aus der Hecke
Die Hagebutte gehört zu den Vitamin-C-reichsten heimischen Früchten. Je nach Rosenart, Reifegrad und Standort schwanken die Werte, sie kann jedoch bis zu 25 mal mehr Vitamin C enthalten als eine Zitrone!
Doch Vitamin C ist nur ein Teil ihrer Geschichte.
Hagebutten enthalten außerdem die Vitamine A, B1, B2, E und K, Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Natrium sowie Pektine, Fruchtsäuren, Gerbstoffe, Zucker, ätherisches Öl, Flavonoide, Anthocyane und Carotinoide. Dazu kommen weitere interessante Pflanzenstoffe wie Galaktolipide und Lecithin.
Gerade das Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe macht die Hagebutte für die Pflanzenheilkunde so interessant.
Traditionell wird sie unter anderem zur Unterstützung der körpereigenen Abwehrkräfte, zur Anregung unseres Stoffwechsels und bei Beschwerden rund um Niere und Blase eingesetzt. Die Früchte gelten generell als wasser- und schweißtreibend und sind ein wertvolles Heilmittel in der Erkältungszeit.
Hagebuttenmarmelade und Billigtee aus dem Supermarkt werden der edlen Hagebutte also bei weitem nicht gerecht!
Meine liebsten Rezepte? Die verrate ich euch hier:
Immunbooster-Hagebutten-Oxymel
Eine meiner liebsten Möglichkeiten, die Hagebutte für die kalte Jahreszeit in meine Naturapotheke zu integrieren und mein Immunsysthem zu unterstützen, ist die Zubereitung eines Immunbooster-Oxymels.
Das Wort “Oxymel” stammt aus dem Griechischen: oxos bedeutet Essig und meli Honig, also vereinfacht gesagt „Sauerhonig“.
Oxymel ist eine jahrhundertealte Zubereitungsform, die zur Ausziehung pflanzlicher Inhaltsstoffe verwendet wird. Damit verbindet es die Wirkstoffe der verwendeten Pflanzen mit denen des Honigs und des Apfelessigs. Oxymel wirkt somit also von Haus aus schon einmal u.a. vitalisierend, entzündungshemmend sowie antibakteriell. Eine perfekte Grundlage also für Heilmittel in der kalten Jahreszeit.
Und noch etwas macht Oxymel so sympathisch: Es schmeckt gut. Daher wird es auch gerne von Kindern angenommen.
Die Hagebutten werden bei diesem Rezept durch weitere Immunbooster unterstütz: Holunderblüten, Ingwer und Zimt. Sie ergänzen die Wirkstoffe der Hagebutte perfekt und bringen ordentlich Power in unseren Körper!
Zutaten
- 50 g Apfelessig (Bioqualität)
- 150 g Honig (Regional und in Bioqualität)
- 66 g entkernte Hagebutten
- 20 g Holunderblüten
- 10 g Ingwer
- 4 g Zimt
Zubereitung
Apfelessig und Honig mit einem Stabmixer gründlich vermengen. Anschließend Hagebutten, Holunderblüten, Ingwer und Zimt anmörsern und in ein Schraubglas geben. Deckel schließen und den Ansatz 3-4 Wochen an einem warmen, dunklen Ort mazerieren lassen. Dabei alle paar Tage vorsichtig umrühren.
Anwendung
Zur Unterstützung der körpereigenen Abwehr kann das Oxymel beispielsweise über 6 Wochen als Kur verwendet werden. Hierfür täglich 1 Teelöffel pur oder in einem Glas Mineralwasser verdünnt einnehmen. Schmeckt super lecker!
Immunbooster Hagebutten Pulver
Für Hagebuttenpulver werden die Früchte schonend getrocknet – ich empfehle eine Trocknung bei maximal 50 °C, um empfindliche Inhaltsstoffe möglichst zu schonen.
Die getrockneten Früchte können anschließend in einer leistungsfähigen Küchenmaschine zerkleinert werden. Dabei werden auch die feinen Härchen mechanisch zerkleinert. Wer keinen Thermomix hat, muss vermutlich wie ich, die Hagebuttenkerne anschließend heraussieben. Aber das hat auch einen Vorteil: Und zwar haben wir so gleich genügend Kerne für den Kernless Tea (Rezept siehe unten) zusammen!
Anwendung: Ein Teelöffel Hagebuttenpulver lässt sich wunderbar über Müsli oder Joghurt geben oder zum Backen verwenden. Zudem kann man das Pulver auch für die Hausapotheke weiter verwenden.
Wann werden Hagebutten geerntet?
Die meisten Hagebutten reifen zwischen Ende September und November. Für die Ernte suche ich mir am liebsten einen trockenen, sonnigen Herbsttag. Die Früchte sollten kräftig rot gefärbt und noch fest sein. Zu diesem Zeitpunkt ist der Vitamin-C-Gehalt besonders interessant und die Früchte lassen sich gut weiterverarbeiten.
Mit zunehmender Reife verändert sich die Hagebutte. Nach den ersten Frösten wird sie weicher und süßer. Gleichzeitig nimmt der Vitamin-C-Gehalt mit zunehmender Reife und Lagerung tendenziell ab. Wer die weichere Konsistenz und den süßeren Geschmack möchte, kann die Hagebutten deshalb auch kurz einfrieren. So lässt sich der Frost-Effekt für die Küche ein Stück weit nachahmen.
Die Hagebutte gehört zu unserem kulinarischen Erbe
Hagebutten zu sammeln und zu verarbeiten war früher fester Bestandteil der Vorratshaltung im Herbst. Das galt besonders für die kargen und sehr kalten Gegenden. Deshalb darf die Kulinarik und die klassische Hagebuttenmarmelade natürlich nicht fehlen! Auch wenn sie vermeintlich viel Arbeit bedeutet, mit ein paar modernen Tricks ist es gar nicht so schlimm. Und das Beste: Ich zeige dir, wie du alles an der Hagebutte verwertest und sich die Arbeit somit richtig lohnt:
Kindheitserinnerung Hagebuttenmarmelade
Schon als kleines Kind zählte die klassiche Hagebuttenmarmelade zu meinen Leibspeisen.
Die Hagebutten müssen dafür nicht einzeln entkernt werden. Wir kochen die ganzen Früchte weich und passieren sie anschließend durch die Flotte Lotte. Kerne und Härchen bleiben zurück, das feine Fruchtmus wandert ins Glas.
Zutaten
- 1 kg reife Hagebutten
- 800 ml Quitten- oder Apfelsaft
- Gelierzucker 3:1
Zubereitung
Stiele und schwarzen Blütenkelch mit einem Messer entfernen. Die Früchte halbieren und mit 400 ml Saft in einen großen Topf geben, weich köcheln lassen.
Die Masse portionsweise durch die Flotte Lotte oder ein feines Passiersieb passieren. Das aufgefangene Mus beiseitestellen.
Die Rückstände (Kerne) mit den restlichen 400 ml Saft vermischen, kurz aufkochen und ein zweites Mal durch ein feineres Sieb passieren. So holen wir möglichst viel Fruchtfleisch heraus.
Beide Musportionen miteinander vermischen und abwiegen. Die entsprechende Menge Gelierzucker 3:1 dazugeben und nach Packungsanleitung zubereiten.
Noch heiß in saubere Gläser füllen und sofort verschließen.
Und die Kerne? Bloß nicht wegschmeißen…
Der Tee, der nach Vanille schmeckt: Kernless Tea
Bei der Verarbeitung zu Marmelade, Mus oder Pulver bleiben jede Menge Hagebuttenkerne zurück. Die sind viel zu schade für den Biomüll. Die Kerne können getrocknet und anschließend für einen besonderen Tee verwendet werden.
Etwa 2 Esslöffel getrocknete Hagebuttenkerne mit 1 Liter kaltem Wasser ansetzen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Morgen den Ansatz etwa 20 Minuten aufkochen und anschließend durch ein feines Sieb abseihen. Was dabei entsteht, überrascht viele: ein milder Tee mit einer feinen Vanillenote.
Traditionell wurden Hagebuttenkerne unter anderem bei Beschwerden der ableitenden Harnwege und im Zusammenhang mit Steinleiden verwendet. Auch ihre ausschwemmende Wirkung gehört zum überlieferten Pflanzenwissen rund um die Hagebutte.
Welche Weisheit in der Hagebutte steckt
Ich muss sagen: Ich liebe die Hagebutte und erfreue mich jedes Jahr über ihr rotes Kleid! Und wenn man einmal darüber nachdenkt, dann ist die Hagebutte schon ein kleines Wunder! Da ist zuerst die Rose – zart, duftend, wunderschön. Und irgendwann fallen ihre Blütenblätter. Man blickt ihr dabei traurig zu und bedauert, dass ihre Zeit vorbei ist. Doch wenn man einmal darüber nachdenkt, dann steckt hierin eine wunderschöne Metapher:
Wir müssen keine Angst davor haben, dass etwas vergeht.
Denn die Rose verschwindet nicht einfach. Aus ihrer Blüte entsteht die Hagebutte. Leuchtend rot, voller Kraft, resilient und robust genug, um sogar Frost und die kalten Wintermonate zu überstehen.
Die wunderschöne Rose darf gehen, damit etwas anderes entstehen kann. Und übrigens gilt das für all unsere Obstbäume wie Äpfel, Zwetschen, Kirschen oder Birnen. Sie alle sind Rosengewächse und sie alle gehen durch denselben Prozess wie die Rose.
Und vielleicht ist das auch eine schöne Erinnerung für uns: Wir können nicht alles gleichzeitig festhalten. Nicht jede Lebensphase, jede Rolle und jeden Traum für immer behalten. Manches hat seine Zeit und muss irgendwann gehen. Damit wieder Platz entsteht für etwas Neues.
Etwas, das anders ist als das, was vorher war. Ebenso einzigartig und schön. Und vielleicht sogar noch kraftvoller.
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Über diesen Beitrag
Ich bin Miriam Dick und verbinde Kräuterwissen, Naturerleben und Naturcoaching.
Als Kräuterfachfrau und Kräuterpädagogin beschäftige ich mich mit heimischen Pflanzen, ihrer Verwendung in Küche und Naturapotheke und dem Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde. Gleichzeitig arbeite ich mit Methoden aus Coaching, Achtsamkeit und Naturarbeit.
Mich interessiert deshalb nicht nur, was eine Pflanze kann, sondern auch, was wir von ihr lernen können.
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