DiE TRADITION DES RÜBENDEIFES
Vergessenes Brauchtum
Kaum einer weiß, dass ursprünglich nicht ein Kürbis, sondern eine Rübe zu Samhain – dem keltischen Ahnenfest – am 31.12.2025 ausgehöhlt wurde. Die alte irische Geschichte von Jack O´Lantern erzählt vom Ursprung dieses Brauches, der schon sehr lange in Irland zurück geht. Die Tradition des Rübenschnitzens brachten die Irländern dann vor etwa 150 Jahren nach Amerika. Dort fanden sie die viel leichter zu schnitzenden Kürbisse vor. Und so dauerte es nicht lange, bis die Rüben in Vergessenheit gerieten. Stattdessen verbreitete sich das von Kaufhäusern getriebene und kommerzialisierte amerikanische Halloween Fest rasant um den ganzen Globus aus und löschte die Jack O´Lantern aus…
Auch in Deutschland gibt es eine Tradition rund um das Aushöhlen von Rüben, die kaum einer mehr kennt und die ich gerne wieder beleben möchte: In der Nachkriegszeit zogen in den späten Herbstmonaten Kinder von Hof zu Hof und bettelten um Essen. Sie waren Kinder von Tagelöhnern, die nach Erntedank keine Arbeit mehr hatten und somit in den Wintermonaten Kälte und Hunger ausgesetzt waren. Aus Scham wollten die Kinder nicht erkannt werden und so hielten sie ausgehöhlte Rüben vors Gesicht. Diese Futterrüben hatten sie in ihrer Not heraus vorher von den Feldern gestohlen. Aus dem Inneren wurde eine Suppe gekocht, um die hungrigen Mägen etwas zu füllen. Die Kindern schnitzen dann Fratzen in die Rüben und brachten diese durch Kerzen zum Leuchten. So zogen sie von Haus zu Haus und baten nicht etwa um Süßigkeiten, sondern um bitter benötigte Lebensmittel wie Getreide, Eier oder Kartoffeln.
In wenigen Orten, welche sich jedoch interessanterweise von Ostfriesland bis zum Schwarzwald erstrecken, hat sich dennoch die Tradition des Rübengeister-, Riabagoaschtern- oder Rübendeife-Schnitzens erhalten. Dabei sagen Kindern mancherorts Sprüche auf wie: „Wir sind die Rübengeister und geh’n von Haus zu Haus, wir bitten um ’ne Gabe, dann geh’n wir wieder nach Haus!” Die Saukirbe ist einer der bekanntesten und größten Umzüge bei welchem eine ganze Stadt Rübengeister schnitzt und anschließend bei einem großen Festzug durch die Straßen zieht. Die Saukirbe findet jährlich im Rottweiler Stadtteil Göllersdorf statt.
Auch im Bayerischen Wald, nämlich im Waldmuseum Zwiesel, wird seit einigen Jahren wieder versucht, die Menschen für das Rübengeister-Schnitzen zu begeistern. Doch es ist gar nicht so leicht heute noch Futterrüben zu erhalten. Kaum einer baut sie noch an, denn Nutztieren wird in erster Linie Heu, Silage und Kraftfutter gefüttert. Der Anbau von Futterrüben ist im Vergleich sehr aufwendig. Und so bezieht das Waldmuseum Zwiesel die Futterrüben von bekannten Bauern aus Oberfranken.
Ich freue mich, dieses Jahr zum ersten Mal auch ein Rübendeife Schnitzen für Kinder organisiert zu haben. Rübendeife – so hieß der Brauchtum bei uns im Bayerischen Wald. Und ich finde dieser alte Brauch lehrt uns, und vor allem den Kindern, doch so viel mehr als Halloween: Er erzählt uns von unseren Wurzeln, von den schlechten und hungernden Zeiten, die all unsere Vorfahren durchgemacht haben und viele Menschen heute leider immer noch durchmachen müssen. Aber auch von Einfallsreichtum, Auswegen und Nächstenliebe. Symbolisch bringen die erhellten Rübendeife Licht, Wärme und Hoffnung ins Dunkel. Sie leiten uns den Weg durch die Dunkelheit.
Und wie es der Zufall so will, war an diesem Abend des 5.11.2025, als wir nach dem Rübendeife Schnitzen eine Nachtwanderung unternahmen, der Vollmond zu sehen. Als Supermond strahlte er vom Himmel und auf uns herab, als wolle er uns Mut zusprechen, auch die dunkelsten Orte unserer Erde hell zu erleuchten.
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